Was bedeutet Wandern?

Die Begriffe wandern, Wanderurlaub, Urlaub in den Bergen unterscheiden sich maßgeblich von Begrifflichkeiten wie Urlaub am Meer oder Skiurlaub, denn was darunter verstanden wird, ist aus der Perspektive des Gastes, des Hotelier, des Wanderführer bzw. Wanderleiter und nicht zuletzt des Gesetzgebers ziemlich unterschiedlich.

Diese Feststellung ist - kurz nachgedacht - verständlich. Der eine verbindet mit einem Wanderurlaub sportlich anspruchsvolle Klettertouren, der andere Genuss-Wanderungen inkl. Aufklärung über Land und Leute, der Gesetzgeber schafft Definitionen wie z.B. "Sich in der Natur fortbewegen, ohne den Einsatz von Hilfsmittel wie Seil, Steigeisen, Versicherungen usw.".

Die Interessensgemeinschaft (IG) der Wanderführer Südtirols versucht in Abstimmung mit dem Alpenverein Südtirol, den Südtiroler Bergführern und Skilehrern ihre berufliches Verständnis von Wanderführungen zu definieren.

Schauen wir uns die Statistik an so bringen wir in Erfahrung, dass sage und schreibe 80 Prozent der Deutschen unter „wandern“ eine einzige Stunde Gehen verstehen. Das ist natürlich weit davon entfernt was ein echter Tiroler unter „wandern“ versteht. Ich glaube, dass ich in meinem Wanderblog Wandern in Südtirol keine "Wanderung" unter 2 Stunden als Wanderung tituliert habe. Für solche Fälle habe ich den Begriff Spaziergang gewählt.

Was Wikipedia zum Thema wandern sagt: „Wandern ist eine Form des Gehens über lange (mehrstündige) Strecken in der Natur. Früher eine häufige Art des Reisens, stellt es heute hauptsächlich eine Freizeitbeschäftigung dar. Wandern ist vielerorts, vor allem in den Alpenländern, eine zunehmend beliebte, mit Naturerleben verbundene Sportart und ein zentraler Wirtschaftsfaktor des Sommertourismus“ wird dem Wort Wandern leider überhaupt nicht gerecht, was dieser Artikel hier (Zusammenfassung des Referates von Prof. Dr. Harald Pechlaner bei der Vollversammlung der Wanderführer Südtirols, siehe Fußbereich) veranschaulichen wird.

Kommen wir zurück zu Verständnis von Wandern und seinen diversen Facetten und Ausprägungen:

  • spazieren gehen
  • Geocaching
  • Nordic Walking
  • Trekking
  • Städte wandern
  • Berg steigen
  • Usw.

Das Ganze führt so weit, dass der Begriff als Überbegriff bzw. als Sammelbegriff der alles und nichts sagt als überflüssig betrachten werden könnte. Der Italiener kennt z.B. kein Wort fürs Wandern. In Italienisch muss ich mir mit dem Begriff "escursione" was mehr oder weniger dem deutschen Wort Ausflug gleich kommt, behelfen. Der Italiener verwendet Wörter wie:

  • escursione: Ausflug, Exkursion
  • escursionismo: das Wandern
  • alpinismo: Alpinismus
  • girovagare: herum wandern, herum streunen
  • migrare: wandern im Sinne von auswandern
  • passeggiare: Spazieren gehen
  • camminare in montagna: in den Bergen gehen/wandern

Die nächste Fragen, nein, die nächsten Antworten die Prof. Pechlaner unter die zahlreichen anwesenden Wanderleiter streut sind die Antworten auf die Fragen:

Warum wandern die Menschen, was suchen die Wanderer?

Antworten liefert der wissenschaftliche Bereich der Statistik:

  • in Natur sein
  • vom Alltag ausbrechen
  • aktiv/sportliche Betätigung
  • mit Familie zusammen sein
  • sich erholen/entspannen
  • etwas für die Gesundheit tun
  • usw.

Wer sind die Zielgruppen fürs Wandern?

Zielgruppen für Wandern gibt es mehrere. Zum einen sind das Einheimische, die die Heimat kennenlernen wollen, Kinder oder Schüler, die Weiterbildung suchen oder zur Erkundung des Lebensraums Berge animiert werden und zum Schluss natürlich die Südtiroler Urlaubsgäste, die etwas erleben möchten. Dabei ist nicht so sehr diese statische Einteilung interessant, sondern vielmehr der Sachverhalt, dass Dr. Pechlaner über den Tellerrand hinaus schaut und eine umfangreichere Zielgruppe und Motivationsvielfalt fürs Wandern aufzeigt, als man vermutet hätte.

Weitere interessante Aspekte zum Wandern:

Jeder zweite Deutsche wandert. Das ist ein sehr hoher Anteil, auch wenn sich das Wandern in viele Spezialisierungen aufteilt. Siehe Facetten bzw. Ausprägungen des Wanderns.

Fragt man den Deutschen was für ihn die ausschlaggebendsten Argumente für die Wahl seines Wohnortes sind, so steht laut Forsa an erster Stelle nicht die Nähe zum Arbeitsplatz, sondern egal ob Dorfbewohner oder Stadtbewohner, die Nähe zur Natur!
Für den deutschen Europäer ist also Wandern und sich in der Natur befinden sehr wichtig.

Kernkompetenz Wandern

Wir als Bergbewohner der Alpenregion Tirol und Südtirol haben eine Kernkompetentz fürs Wandern, da wir in der alpinen Landschaft leben und arbeiten. Wir sind es gewohnt die Landwirtschaft, die Architektur, die Transportmittel, die Energie und sogar unsere Gesundheit mit der alpinen Berglandschaft abzustimmen.

Der Lebensraum Tirol bzw. Südtirol und die Tiroler bzw. Südtiroler haben Bergkompetenz, wobei der Südtiroler dem Nordtiroler bzgl. des Urlaubsthema Wandern einiges voraus hat. Machen wir das am Vergleich Nordtiroler Wanderhotels und Südtiroler Vitalpina Hotels fest.

Während die Nordtiroler Wanderhotels mittlerweile sogar Austritte verzeichnen, erfreuen sich die Südtiroler Vitalpina Hotels regen Zuspruchs. Warum? Die Nordtiroler Hotels setzen vor allem auf Wandern im Sinne von sportlicher Betätigung. Die Südtiroler Hotels hingegen haben erkannt, dass es neben dem aktiv sein auch um das Erlebnis Wandern, um das Kennen lernen von Lande und Leute, um die Partizipation mit den Einheimischen, das Lebensgefühl, das Genießen und die Gesundheit geht. Vitalpina bedeutet nicht nur wandern, also aktiv sein, sondern zusätzlich gesunde regionale Ernährung und sich wohl fühlen im Lebensraum Berg. Man hat sich eine Art Wohlfühl-Kompetenz auf die Fahnen geschrieben, da man den Begriff "Wandern" in mehreren Aspekten durchleuchtet hat.

Deutsche Wanderurlauber - die wichtigsten Fakten

  • Knapp 60 % sind zwischen 49 und 59 Jahre alt
  • 56 % sind mit ihrem Partner unterwegs, 14 % reisen mit anderen Paaren oder Freunden
  • Individualreisen liegen im Trend: 92 % buchen kein Pauschal Angebot
  • Wanderurlauber buchen kurzfristig: 74 % buchen ihren Urlaub innerhalb 2 Monate vor Reiseantritt
  • Durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Wanderurlaubers: 6 Nächte
  • 82 % der Wanderurlauber reisen mit dem Auto an, nur 4% nutzen die Bahn

Ein weiter wichtiger Aspekt, den es für eine Wanderurlaubsdestination zu bedenken gilt, ist die Einteilung der Lebenszeit der Menschen:

  • Bildungszeit
  • Arbeitszeit
  • Zeit für Gesundheit
  • Freizeit

In der heutigen schnellen Zeit muss die Freizeit zu Gunsten der Bildungszeit (lebenslanges Lernen), der Arbeitszeit und der Zeit, die wir uns für unsere Gesundheit widmen müssen bzw. wollen, Federn lassen. So ist es nahe liegend, die Freizeit, also auch die Urlaubszeit mit der Bildungszeit und der Zeit für die Gesundheit zu verbinden. Ein Wanderurlaub der gut für den Körper (Bewegung), die Gesundheit (Ernährung), den Geist (Entspannung) und die Bildung (das Land und deren Bewohner kennen lernen) ist, ermöglicht die Symbiose aus Freizeit, Bildungszeit und Zeit für die Gesundheit.

Zum Abschluss noch einige Hinweise für Werte und Kernkompetenzen der Südtiroler Wanderleiter:

  • gelebte Tradition
  • vielfältiges Touristisches Angebot
  • Sicherheit und professionelle Betreuung
  • Schaffung von Naturerlebnissen
  • Spezielle Gastfreundschaft
  • Vermittlung der traditionellen Bergkultur
  • Großes kulturelles Angebot
  • Schaffung von Qualitätsstandards
  • Gute Vernetzung in der Region
  • Stärkung der Naturverbundenheit
  • Einzigartige Verbindung aus Land, Tourismus und Kultur

Würde man bei Bergführer sagen, sie sind zuständig für die Seilschaften, so kann man für die Wanderführer sagen sie sind zuständig für die Netzwerke: Die Vernetzung der Urlaubsgäste mit den Einheimischen und deren Lebensraum sollte ihr primäres Ziel sein.

Links zum Thema Wandern:

Quellangabe:

Kurz notiert, einige Eckpunkte des Referats von Prof. Dr. Harald Pechlaner (Eurac Bozen) vor dem Hintergrund, dass die Wanderführer ein gesetzliches Berufsbild erhalten werden.

Ort: Vollversammlung der Wanderführer bzw. Wanderleiter Südtirol im Hauptsitz von Salewa

Freie Zusammenfassung von Dietmar Mitterer Zublasing

 

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